Neben den gemeinsamen Wünschen und Anforderungen an die rein →pädagogische Ausrichtung der Zukunftsschule eint die Initiatoren und Mitglieder der Initiative ein weiterer wesentlicher Kerngedanke, nämlich der um die Zukunft der nachfolgenden Generationen und damit um die gesamtgesellschaftliche globale Entwicklung. Angesichts gesellschaftlich-kultureller, politischer, ökologischer und ökonomischer Herausforderungen, denen sich kommende Generationen unweigerlich werden stellen müssen, wird deutlich, dass ein Wandel im Denken und Verhalten der Menschen stattfinden muss.

Dieses neue Denken soll Heranwachsenden in der Zukunftsschule vermittelt werden, indem sich ihnen durch achtungsvolle, kindgerechte und ganzheitliche Bildung die Möglichkeit eröffnet, zukunftsorientiert und nachhaltig an der Gestaltung ihrer und somit unser aller Zukunft aktiv mitwirken zu können.

Der Diskurs, der unter anderem auf politischer Ebene in Bezug auf eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) geführt wird, spiegelt sich daher in der Grundidee des Vorhabens wieder, eine Schule der Zukunft in Lippstadt zu gründen.

Nachhaltigkeit

„Wir erben die Erde nicht von unseren Vorfahren,
wir leihen sie von unseren Kindern.“
(Antoine de Saint-Exupéry)

Was tatsächlich nachhaltig ist, ist nur schwer zu definieren. Vielleicht hilft hier zu Orientierung ein wesentlicher Grundgedanke, der den Begriff der Nachhaltigkeit hervorgebracht hat: Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht. Dies meint sowohl individuelle, gesellschaftliche, ökonomische als natürlich auch ökologische Ressourcen.

Die Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen findet bereits seit 300 Jahren statt und hat ihre Wurzeln in der Forstwirtschaft. Nachhaltig wirtschaften stand dort ursprünglich für das forstwirtschaftliche Prinzip, nicht mehr Bäume zu fällen, als jeweils nachwachsen können. Der gegenwärtige Diskurs baut inzwischen auf der Erkenntnis, dass auch Fragen der sozialen und wirtschaftlichen, also der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, des globalen Friedens und der sozialen Gerechtigkeit nicht von Umweltfragen getrennt werden können. Armut – um nur ein Beispiel zu nennen – wird zugleich als eine der Hauptursachen und der Hauptfolgen globaler Umweltprobleme angesehen.

Vor diesem Hintergrund ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung dann als nachhaltig zu bezeichnen, wenn sie sowohl ökologisch und ökonomisch als auch sozial dauerhaft tragbar ist. Im Kern geht es darum, allen heute lebenden Menschen sowie unseren Kindern und Kindeskindern die Chance auf ein Leben in Würde, Gerechtigkeit und Frieden zu bewahren, auf soziale Sicherheit ebenso wie wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten bei gleichzeitigem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Als Bürger eines privilegierten Industrielandes sind wir gewichtiger Teil der genannten Problemlagen, gleichwohl können wir aber auch Teil der Lösung sein. Dazu müssen wir lernen, uns über die Verantwortung unseres Handelns in einer demokratischen und sozial gerechten Gesellschaft bewusst zu werden. Die entsprechenden Zusammenhänge zu erkennen und in ihnen verantwortungsvoll zu handeln, ist eine der zentralen Herausforderungen auf dem Weg zu einer global gedachten nachhaltigen Entwicklung. Bildung ist dabei als eine wesentliche Schlüsselrolle zu verstehen.

 

  • Nachhaltigkeit

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Der Schüler soll nicht Gedanken, sondern denken lernen;
man soll ihn nicht tragen, sondern leiten,
wenn man will, dass er in Zukunft von sich selbst zu gehen geschickt sein soll.
(Immanuel Kant)

Bereits auf dem UN-Weltgipfel 2002 in Johannesburg wurden die Jahre 2005 bis 2014 zur Dekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erklärt. Das UNESCO Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung greift diese Programmatik auf und formuliert für die Jahre 2015 bis 2019 das Ziel einer stärkeren Verankerung von Nachhaltigkeit im Bildungssystem. Schließlich wird mit der Agenda 2030 Bildung als wichtigste Voraussetzung für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele in den Vordergrund gerückt. Alle Kinder und Jugendlichen sollen weltweit hochwertige, inklusive, chancengerechte Bildung erhalten, die die Möglichkeit zum lebenslangen Lernen gewährleistet und die Herausbildung eines umfassenden Verantwortungsbewusstseins in den Vordergrund stellt.

Was für die formulierten Zielsetzungen auf globaler Ebene gilt, erlangt analog auf nationaler und insbesondere auf regionaler Ebene eine mindestens gleichwertige Bedeutung. So wichtig die Verfolgung weltpolitischer zukunftsgerichteter Ziele auch ist, die ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung beginnt im direkten Miteinander, im Kontakt und in der Verbundenheit mit unseren Mitmenschen. Ein achtsamer, respektvoller Umgang und eine wertschätzen Haltung gegenüber dem einzelnen Menschen und gegenüber allen Lebewesen bilden dabei die Grundlage. Welche Werte und Normen wir unseren Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg in ihre und unsere Zukunft geben, entscheidet wesentlich über die Verwirklichung der Ziele der BNE auf regionaler, nationaler und globaler Ebene.

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